Kupferstecherin Margot Bitzer
Handwerk in Holzhausen
20 Portraits und Kurzprotokolle von Handwerker_innen in ihren Räumen, C-Prints, 50x70 cm, Edition von 25 Exemplaren, Leipzig/Holzhausen 2012

Kurzprotokoll vom  03.04.2012, Leipzig/Holzhausen

 

Kupferstecherin Margot Bitzer *1936 Vogelsang

 

Mein lieber Freund und Kupferstecher

 

Margot Bitzer wurde 1955-1958 durch Karl Wolf, in der Wertpapier-Druckerei Leipzig, zur Kupferstecherin ausgebildet. Karl Wolf war damals der einzige, in der DDR noch existierende, Kupferstecher, die Ausbildung gibt es heute nicht mehr. 1984, nach 28 Jahren in der Wertpapier-Druckerei, wagte Margot Bitzer den Absprung in die Selbstständigkeit und arbeitet seitdem als Freiberuflerin in ihren Privaträumen.

 

Ich wollte immer zeichnen und etwas mit den Händen zu tun haben. Ursprünglich wollte ich Lithografin werden,  das hat sich dann zerschlagen, weil die Wertpapier-Druckerei jemanden für eine ausgesprochen seltene Spezialausbildung in Wertpapieren, Bank-noten, Briefmarken etc. suchte. Während der Ausbildung bin ich an zwei oder drei Tagen pro Woche an der Hochschule für Grafik und Buchkunst zum Zeichnen gewesen. Es hat sich schnell gezeigt, dass ich mit Leib und Seele Kupferstecherin bin. Die Bank-note musste so genau, die musste fälschungssicher sein, und das konnte man damals mit einem guten Stich machen. Ein guter Stich war nicht zu kopieren. Heute hat man andere Mittel. In der DDR hab’ ich sehr viel mit Messekarten, Glückwunschkarten und Kupferstich-Bildern zu tun gehabt. Zur Wendezeit brachen die Aufträge weg, da hab’ ich mich auf meine ursprüngliche Tätigkeit wieder zurückbesonnen und habe eben nur noch freie Blätter gemacht. In der Hauptsache habe ich mich auf Gebäude, Architektur, aber auch auf florale Motive konzentriert, und das mache ich nach wie vor. Meine Motive suche ich selber, selten mache ich Aufträge, weil ich mich nicht mehr unter Zeit-druck setzen möchte. Wenn ich arbeiten kann wie ich möchte, ist das erfolgreicher.
Und das, was ich mir erlaube zu stechen, so detailgetreu und fein und durchgearbeitet, das kann kaum jemand, wenn er damit Geld verdienen will. Ich sitze manchmal ein Jahr an einem Stich. Ich finde es absolut toll mich mit einer Linie auseinanderzusetzen. Was wollen sie denn dann dafür verlangen? Das kann ich mir als Rentnerin aber erlauben.
Früher war das ja mal eine große reiche Gilde, die alten Maler hatten ja Stecherschulen. Die alten Meister hatten neben ihrer Staffelei den Stecher sitzen, der das Bild umsetzte.

Ganz wird es sicher nicht  aussterben, es wird immer jemanden geben der sich dafür interessiert.

 

 

Margot Bitzer über Holzhausen

 

Mein Schwiegervater hatte hier in der Hauptstraße eine Schmiede, dann haben meine Schwiegereltern 1965 dieses Haus hier in der Kärrnerstraße gekauft. Mein Schwiegevater ist dann aber bald gestorben und mein Mann und ich sind hierhergezogen, um meine Schwiegermutter zu pflegen. Damit bin ich Holzhausnerin geworden. Beim Fleischer kannten sich alle und duzten und unterhielten sich, und ich stand immer ein bisschen abseits, weil ich das so nicht kannte. Jetzt hab ich schon zu einigen einen ganz netten Kontakt. Mein Bild von Holzhausen hat sich gebessert. Anfang der Achtziger war das richtig Dorf: kaputte Dächer, die alten Hütten, teilweise noch die Toiletten über den Hof. Wenn ich zu Besuch kam, hatte meine Schwiegermutter alles offen stehen und war in Hauslatschen im Tante Emma Laden. Das muss eine Straße mit einem unangenehmen Ruf gewesen sein. Ich hab immer nur mitgekriegt: „Oh Gott, wo wohnen sie?“ Inzwischen ist es anders geworden. Die Struktur hat sich verändert, es sind neue Leute und Häuser dazugekommen.